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Arno Geiger: "Alles über Sally"

Kann man über Sally alles erfahren? Nun, man erfährt einiges über sie - in einem Zeitraum von etwas weniger   als einem Jahr und rückblickend. Und über ihre Ehe mit Alfred, der seine Frau mehr liebt als sie ihn. Doch Alfred – Ende 50 – nimmt zu an Gewicht, Unbeholfenheit und trägt zudem schmutzige Stützstrümpfe gegen seine Krampfadern. Sally – Anfang 50 und lebenslustig – findet dies wenig erotisch und sieht sich anderswo um.
Doch verlässt Sally einen treuen Alfred, der die Ehe und seine Sally realistisch betrachtet und einen ewig sicheren Hafen bietet?
Arno Geiger unternimmt das Abenteuer, sich in den Kopf einer Frau zu begeben. Aber: Nicht alle Frauen heißen „Sally“ …

 

Arno Geiger: "Selbstporträt mit Flusspferd"

Julian, 22, erzählt von einem seltsamen Sommer in der Großstadt, einem Sommer mit verlorener und neuer Liebe und einem Zwergflusspferd, das betreut werden will. Das Flusspferd – gestrandet im Gartenteich von Professor Beham – lebt dickhäutig und stoisch. Ja doch: Wir könnten uns ein wenig von ihm abschauen. 
Julian versorgt es und verdient so etwas Geld, um Schulden bei  Judiths Vater abzuzahlen. Sind Schulden das, was nach einer zerbrochenen Beziehung bleibt? 
Julian bewegt sich durch diesen Sommer in Wien, Leben lernend und Aiko liebend, Professor Behams Tochter. Im Herbst brechen Professor Beham und das Flusspferd auf zu neuen Ufern und Julian möchte Aiko und ein neues Leben nicht einfach ziehen lassen. 
Ein poetisches Buch, Prosa über das Hineinwandern ins Erwachsensein.

 

Bildergebnis für brennerovaWolf Haas: "Brennerova"

Pass auf, was ich dir sage. Jetzt ist schon wieder was passiert. Das ist auch kein Wunder, weil der Brenner lässt sich mit russischen Internetfrauen ein. Ja, was glaubst du. Wenn so eine Serafima oder Nadeshda dir schöne Augen macht, quasi internetdatingmäßig. Der Brenner wird dann in Russland zusammengeschlagen. Also, ob du es glaubst oder nicht, von Kindern. Genau. Zuhause ist eigentlich die Herta inzwischen in Pension und der Brenner ist mit ihr zusammen. Und die Schwester von Brenners Russlandschönheit ist weg. Und er soll sie finden. Es kommen dann auch noch Männer mit abgehackten Händen vor. Mein lieber Schwan! Ein Roman für Handverletzte und  Menschen, die Tätowierungen mögen. Ochsen auf der Brust.
Aber auch interessant: Der Brenner heiratet ... 

 

Joe Fischler: "Veilchens Winter"

Veilchen – eine liebenswerte blaue Blume? Falsch, ein blaues Auge, hervorgerufen durch einen kräftigen Faustschlag. 
Valerie Mauser, frischgebackene Oberstleutnantin in Innsbruck, aus Wien kommend, wird so – also „Veilchen“ - von ihrem besten Freund genannt. Wie der heißt? Stolwerk. Ja, genau wie jenes braunsüße Kaubonbon aus unserer Kindheit, welches so herrlich an den Zähnen klebte.
Veilchen ist eine wunderbare Polizistin: gerechtigkeitsliebend, vollkommen furchtlos, uneitel, tatkräftig und verwundbar. Als das Kind eines russischen Oligarchen, der in Innsbruck ein Luxushotel betreibt, entführt wird, hängt sich Valerie „voll hinein“. 
Außerdem gibt es da noch einen – feschen - Tiroler Landeshauptmann namens „Freudenschuss“ und Szenen auf der Innsbrucker Gerichtsmedizin. Ich sage nur: abgeschnittener … 
In dieses Buch gerät man hinein wie in Föhn und Schnee – Innsbruck eben.

Bernhard Schlink: "Die Frau auf der Treppe"

Es ist eine Geschichte der Begegnungen. Der Ich-Erzähler beschreibt rückblickend seine große Liebe zu Irene Gundlach, der Frau auf der Treppe. Karl Schwind malt sie unbekleidet, das Bild wird zum Objekt der Begierde. Drei Männer. Eine blonde Frau. Eine Reise nach Australien, wo es nach vielen Jahren zu einem Wiedersehen kommt.
Die Frau auf der Treppe berührt den Ich-Erzähler, führt ihn zurück zu verschütteten Empfindungen und schenkt ihm einen Perspektivenwechsel. Bilder brauchen manchmal neue Rahmen.

 

Rachel Joyce: "Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry"

Einfach so bricht Harold auf – ohne Plan, ohne Ausrüstung, ohne vorherige Überlegung. Zu Fuß geht der ältere Mann von Kingsbridge an der südenglischen Küste bis hinauf nach Berwick-upon-Tweed in Schottland. Er möchte gehen, um Queenie zu retten, die im Sterben liegt, und noch einmal mit ihr persönlich sprechen – nach 20 Jahren der Funkstille.
Das Gehen ist therapeutisch, eine Reise durch das Vereinigte Königreich, aber auch eine Reise nach innen. So wie die Blasen an Harolds Füßen aufbrechen, so bricht Verschüttetes, im Herzen Verschlossenes auf wie Wunden.
Der Leser verspürt den Wunsch, Harold auf seinem Weg zu begleiten und ihm Mut zuzusprechen, doch die harte Strecke nach innen muss er alleine tun. Manchmal müssen wir schrecklich weit weg gehen, um heimkommen zu können.
Einfühlsam und sehr spannend erzählt!